Susanne Messmer ist eine Geschäftsfrau mit ungebremster Power. Als Mutter von zwei Teenagern führt sie den Platzhirsch Home Living in Lochau und die angrenzende Platzhirsch Café Lounge. Mit Uta Mitterer sprach sie über die Anfänge der Geschäfte vor anderthalb Jahren, dem nachhaltigen Gedanken hinter ihrem Tun und warum …

Uta Mitterer: Der Name Messmer in Lochau steht für eine Familiendynastie in der Hotellerie. Ihr heutiges Geschäft befindet sich in den ursprünglichen Räumen des Vorarlberger Bäckerei Unternehmens Mangold. Wie ist es dazu gekommen?

Susanne Messmer: Eigentlich bin ich im Hotelbetrieb meiner Eltern in Schruns aufgewachsen, aber Sie haben Recht, vor einigen Jahren stand der Gebäudekomplex der Familie Mangold zum Verkauf. Da Lochau meine Heimatgemeinde ist, haben ich nicht lange überlegt und das Objekt käuflich erworben.

UM: Ein perfekter Zeitpunkt, um ein Einrichtungshaus zu gründen.

SM: (lacht) Eigentlich wusste ich noch gar nicht genau, was ich mit den Geschäftsflächen machen werde. Fest stand, es soll ein Platz werden, der diese schöne Gemeinde am Fuße des Pfänders und direkt am Ostufer des Bodensees aufwertet und belebt. Für den Gastronomiebetrieb konnte ich mir ein stylisch schickes Café, in dem feine Speisen, köstliche Kuchen und hervorragender Kaffee serviert werden, vorstellen. So ein ungezwungener Treffpunkt rund um die Uhr fehlte in Lochau einfach. Die restliche Fläche war so groß, dass ich über ein weiteres Konzept nachdachte. Schlussendlich habe ich mich für meine Leidenschaft für Möbel entschieden und diese realisiert. Inzwischen ist ein exklusives Einrichtungshaus im Platzhirsch entstanden.

UM: Es scheint eine gute Idee gewesen zu sein. Ich würde jedes einzelne Stück der Ausstellung mit nach Hause nehmen.

SM: Das freut mich sehr, wenn Ihnen unser Stil und unser Angebot gefallen. Aber lassen Sie uns doch den Platz wechseln in die Café Lounge. Unsere Köchin Lanh Authengruber hat eine Kleinigkeit für uns zubereitet. Lanh war früher im NamViet und KUB in Bregenz tätig und kocht nun hier im Platzhirsch vietnamesisch-thailändische Spezialitäten. Zur Mittagszeit werden zwei Menüs zur Auswahl angeboten, nachmittags gibt es Kuchen und für den Abend halten wir eine gut sortierte Speisekarte bereit.

UM: Der Name Platzhirsch scheint Programm zu sein. Das Café ist voll, einige Gäste genießen die letzten Sonnenstrahlen in eleganten Loungesesseln.

SM: Ja, das freut mich sehr und ich bin wirklich erleichtert, dass sich der Platzhirsch in der kurzen Zeit einen guten Namen machen konnte. verkaufen wir auch im Geschäft nebenan. Ich bedaure es schon, dass demnächst unsere Outdoor-Möbel der neuen Ausstellung Platz machen müssen. Die Labels Paola Lenti und Sifas sind ganz hervorragend bei unseren Kunden angekommen. Vielleicht gerade deswegen, weil man bei uns alles, also fast alles (lacht), ausprobieren und besitzen kann. Mein Wunsch war es, dass man zu uns kommen und ganz ungezwungen schöne Möbel anschauen kann. Wir versuchen die Schwellenangst bewusst zu unterbinden. Neben unseren hochpreisigen Produkten haben wir nämlich auch Kollektionen in ausgesuchten interessanten Anfangspreislagen und coolem Style. Und: man kann vom Café aus direkt ins Geschäft gehen. Das mag den Eintritt auch erleichtern.

UM: Kommt Ihre Kundschaft aus Vorarlberg oder aus dem deutschen Bodenseegebiet?

SM: Sowohl als auch. Das Geschäft liegt absolut zentral, was das Einzugsgebiet betrifft, also direkt an der Autobahn nach Deutschland und auch auf dem Weg in die Schweiz. Ebenso ist die Lage am Stadtrand von Bregenz für Einrichtung und Design geradezu perfekt, denn auch mit dem Pfänderhang ist hier doch eine Zielgruppe für unser Sortiment praktisch ums Eck.

UM: Mit den Hausmarke Minotti und Poliform haben Sie sich für hochwertige Marken entschieden? Was ist der tiefe Grund dafür, abgesehen davon, dass diese beiden italienischen Produzenten einen hervorragenden Ruf genießen?

SM: Dazu muss ich ein wenig ausholen. Die Welt des Designs ist seit einigen Jahren im Wandel. Themen wie Ressourcenknappheit und Klimaveränderungen beherrschen den öffentlichen Diskurs und prägen auch unser Umfeld, zu denen auch die Dinge gehören, die uns alltäglich umgeben. Bekannte Möbel-Herstellerfirmen gehen da mit gutem Beispiel voran. Durch das zeitlose und innovative Design vieler Produkte des Schweizer Unternehmens Vitra ist zum Beispiel eine ästhetische und funktionelle Langlebigkeit garantiert. Das gleiche gilt für die Marke USM Haller, die schon seit Jahren nachhaltige und langlebige Möbel produzieren. Nun führen wir diese Marken zwar nicht, aber wir stehen voll und ganz hinter dieser Ideologie.

UM: Sie meinen:„Wer billig kauft, kauft zweimal“!

SM: Ganz sicher, wenn nicht sogar dreimal. Es muss sich nicht immer nur um nachwachsende Materialien drehen, es geht auch um diesen wirklich bedeutenden Satz. Dieses Verhalten ist alles andere als nachhaltig. Unser Hauptlieferant Minotti stellt Möbel her, die zeitlos elegant sind und eine gewisse hochwertige Lässigkeit verkörpern. Wer ein Produkt dieses Labels kauft, wird es auch nach 10 Jahren nicht ersetzen. Lassen Sie mich ein gutes Beispiel heranziehen. Wir hatten kürzlich einen Kunden, die sein Minotti Sofa nach 15 Jahren neu beziehen lassen wollten, denn in Form und Komfort war es genau das, was ihm gefiel. Bei Minotti ist das möglich, weil das Unternehmen nicht nur für beste Qualität steht, sondern auch den Gedanken des langfristigen Erhaltens mitträgt. Das kostet natürlich etwas, aber auf die Dauer gesehen, hat es einen echten Wert. Das ist die Nachhaltigkeit, die mir wichtig ist. Der schnelle Kauf eines Produktes, egal ob es Möbel, Mode oder Schuhe sind, ist für die Umwelt eine schwere Last.

UM: Bleibt Ihnen zwischen diesen ganzen Aktivitäten, die jede für sich große Aufmerksamkeit benötigt, auch Zeit für ein Privatleben?

SM: Gut, dass Sie mich daran erinnern (lacht). Aber ja, natürlich. Als Mutter habe ich Pflichten und Aufgaben wie andere Mütter auch, was in Zeiten von Covid-19 eine echte Herausforderung war. Aber Organisation muss sein, vor allem während der Schulzeit. Und in den Sommerferien waren wir sogar zwei Wochen im Urlaub – bei blauem Himmel und Sonnenschein!

UM: Ich habe in Ihrem Büro ein Golfbag gesehen. Sind Sie Golfspielerin?

SM: Ach ja, zumindest war ich das vor einiger Zeit und das Bag steht dort, weil es mich immer daran erinnern soll, mir wieder mal Zeit zum Spielen zu nehmen. Früher hat mich der Sport wirklich begeistert, mein Handycap liegt sogar bei gar nicht schlechten 14. Oder muss es schon „lag“ heißen (lacht)? Ich habe das Glück, dass mein Einrichtungsgeschäft seit der Öffnung im letzten Jahr gut angenommen wird, trotzdem braucht es Zeit und Arbeit. Meine vier Mitarbeiter sind fast rund um die Uhr mit Kundengesprächen, der Erstellung von Einrichtungskonzepten, Bestellungen, Anlieferungen und Zustellungen beschäftigt. Aber der Herbst schenkt mir sicher den einen oder anderen schönen Tag, um wieder mal in Ruhe auf dem Golfplatz zu stehen.

UM: Das wäre doch eine gute Sache. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg und freue mich schon auf Ihre neue Ausstellung. Vielen Dank für das Gespräch!

Susanne Messmer lebt in Lochau. Mit ihrem eleganten Einrichtungsgeschäft Platzhirsch Home.Living und dem angrenzenden Platzhirsch Café Lounge wurde die Gemeinde Lochau belebter und attraktiver zugleich.